Meine Erfahrung
Mein Weg mit Mounjaro und GLP-1 — und was er mit meinem Blick auf meinen Körper gemacht hat.
Am 24. November 2025 wog ich 94,8 Kilogramm bei 1,72 Metern. Zwei Tage später habe ich zum ersten Mal Mounjaro genommen. Heute wiege ich rund 72 Kilogramm, nehme seit Anfang Februar 2026 kein Mounjaro mehr und beschäftige mich vor allem damit, mein Gewicht zu halten.
Das ist die kurze Fassung. Sie erzählt aber nur die Hälfte. Denn was sich in dieser Zeit am meisten verändert hat, war nicht die Zahl auf der Waage, sondern mein Verständnis von Essen — und mein Blick auf mich selbst.
Alles, was hier steht, stammt aus dem, was ich in dieser Zeit öffentlich aufgeschrieben habe. Es ist meine persönliche Erfahrung mit Mounjaro und GLP-1. Keine medizinische Empfehlung, kein Plan für andere Menschen.
Persönliche Erfahrung. Keine medizinische Beratung, keine Empfehlung und keine Übertragbarkeit auf andere Menschen.
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- Start
- 26. November 2025
- Ausgangsgewicht
- 94,8 kg bei 1,72 m
- Medikament
- Mounjaro / Tirzepatid
- Heute
- rund 72 kg, ohne Medikament
Der Verlauf in Zahlen
Nur die Zahlen, die ich selbst genannt habe. Sie beschreiben meinen Weg und sind kein Maßstab für andere.
- 24. November 202594,8 kg1,72 m, BMI 32
- 26. November 2025StartErste Injektion Mounjaro
- 19. Dezember 202588,3 kg25 Tage später, BMI 29,7
- Anfang Februar 2026Ohne MounjaroDosis nie erhöht, größere Abstände
- Mai 2026−21 kgSechs Monate nach dem Start
- Juli 202672 kgBMI 24,6
- August 2026−25 kgFokus auf Erhalt
01
Wie ich mir mein Gewicht vorher erklärt habe
Ich dachte lange, ich sei irgendwie krank. Mein Stoffwechsel funktioniere nicht mehr, die Wechseljahre machten Gewichtsverlust unmöglich, und außerdem sei ich einfach alt.
Dazu kam ein Satz, den ich nicht vergessen habe: Im Sommer davor hatte mich ein unmöglicher Typ am See als „fette Hummel“ bezeichnet. Vielleicht, dachte ich, bin ich das ja doch einfach.
Meine Alltagsbewegung war schon immer hoch. Süßigkeiten, Chips, süße Getränke, frittiertes Essen, zu viel Alkohol — all das war bei mir kein Thema. Die klassischen Ratschläge liefen bei mir ins Leere, weil ich ohnehin nur Wasser, schwarzen Kaffee und Tee trinke. Also, so meine Logik, konnte der Fehler nicht bei mir liegen.
Diese Geschichte habe ich mir immer wieder erzählt, und ich habe sie geglaubt. Nebenbei habe ich mich fast ein bisschen selbst verloren, weil ich nicht mehr richtig auf mich geachtet habe. Es war ja sowieso irgendwie egal.
Also konnte der Fehler nicht bei mir liegen.
02
Der Start am 26. November 2025
Ich bin recht naiv mit Mounjaro gestartet. Mit naiv meine ich: Ich hatte keine Vorstellung davon, was mich eigentlich erwartet.
Angst hatte ich trotzdem. Hundert Prozent. Ich weiß bis heute nicht genau, was ich erwartet hatte — ehrlich gesagt eigentlich nur das Schlimmste.
Auch ich hatte vorher eine ziemlich falsche Vorstellung davon, was dieses Medikament überhaupt macht. Was ich auf keinen Fall erwartet hatte: dass sich mir dadurch die Chance eröffnen würde, meinen Weg komplett neu zu gehen.

03
Die ersten 25 Tage
Am 24. November 2025 stand ich bei 94,8 Kilogramm und 172 Zentimetern. BMI 32, Adipositas Grad 1. 25 Tage später waren es 88,3 Kilogramm, also 6,5 Kilogramm weniger, und ein BMI von 29,7: übergewichtig, aber nicht mehr adipös.
Die Hose, die ich damals trug, war eine alte in Größe 44, das Oberteil ein altes in XL.
Nebenwirkungen hatte ich kaum: ein bisschen Übelkeit am Tag nach der Injektion, das war es. Zumindest bei mir.
Was mich überrascht hat, war etwas anderes. Der Gewichtsverlust war das eine — die hormonelle Balance und die wiedergefundene Energie waren für mich persönlich fast der wichtigere Teil. Es gab Tage in den Monaten davor, an denen ich mich ernsthaft gefragt habe, wie ich einen Arbeitstag überstehen soll, weil ich so ausgeknockt war. Dieser sehr positive Nebeneffekt kam völlig unerwartet.
Ich bin damals 48 gewesen und hatte schon unzählige, teils schlimme Diäten hinter mir. Nicht eine einzige ist ohne Jo-Jo-Effekt verlaufen. Meine Erklärung dafür: Ohne Bewegung und Ernährungsumstellung funktioniert nichts — auch diese Spritzen nicht.
Gefühl? Unbezahlbar.

04
Ruhe im System — und Essen neu lernen
Ich bin keine Ärztin und keine GLP-1-Spezialistin. Ich kann nur erzählen, was bei mir passiert ist: Mounjaro hat vor allem Ruhe in mein System gebracht. Und diese Ruhe hat mir den Raum gegeben, meine Ernährung wirklich neu zu lernen.
Denn die 25 Kilogramm sind nicht einfach durch eine Spritze verschwunden. Maßgeblich war meine Ernährungsumstellung: Kalorien verstehen, Mengen hinterfragen, Protein, Sättigung und Gewohnheiten neu betrachten.
Ich bin nie mit dem Ziel gestartet, 25 Kilogramm abzunehmen. Ich wusste nur: 95 Kilogramm sind für mich zu viel, es muss weniger werden. Ich war durch das zu viel an Gewicht körperlich und mental belastet. Beides ist verschwunden.
Der eigentliche Gamechanger war für mich Yazio. Meine Ernährung endlich vernünftig zu tracken, hat mir die Augen geöffnet. Ich habe sicher noch nicht alles verstanden, aber ich bin inzwischen sehr schlau unterwegs und lasse mir keinen Bullshit mehr erzählen.
Ich verzichte auf nichts. Ich folge keiner Methode. Ich esse alles – nur anders.

05
Kalorien und die Summe der Entscheidungen
Wenn sich neben meinem Körper eine Sache wirklich verändert hat, dann mein Verständnis von Ernährung. Ich weiß, ich reite fast nervig auf dem Thema Kalorien herum. Aber genau da lag bei mir lange ein riesiger Denkfehler — nicht bei Chips, Schokolade oder Cola, da wissen wir alle ungefähr, woran wir sind. Sondern bei ganz normalen Lebensmitteln und Gerichten, bei denen ich völlig unterschätzt habe, was am Ende zusammenkommt.
Ich tracke deshalb immer noch, längst nicht mehr so akribisch wie am Anfang. Vieles kenne ich inzwischen, und oft trage ich erst abends ein, was ich gegessen habe. Einfach, um ein Gefühl dafür zu behalten, wo ich stehe. Und sowieso zählt für mich viel mehr die Woche als ein einzelner Tag.
Wenn ich abends mit einer Freundin unterwegs bin und Bock auf Pommes habe, dann esse ich die Pommes. Vielleicht wird es dazu aber der Weißwein statt des Aperols. Nicht, weil das eine gut und das andere schlecht wäre, sondern weil ich heute bewusster entscheide, was mir gerade wichtiger ist.
Ich habe mir in diesen fast zehn Monaten erstaunlich wenig verboten. Ich treffe nur sehr viel mehr Entscheidungen bewusst. Und offensichtlich macht deren Summe irgendwann einen ziemlich großen Unterschied.
Es ist immer die Summe der Entscheidungen.

06
Protein, ganz nebenbei
Bevor jetzt jemand denkt, ich hätte mich in einen Protein-Guru verwandelt: nein. Die Wahrheit ist, dass ich vor meiner Ernährungsumstellung an Proteine exakt null Gedanken verschwendet habe. Ich wusste nicht, wie viel ich esse. Ich wusste nicht, ob ich genug esse. Und ich hätte vermutlich nicht einmal sagen können, welche Lebensmittel besonders proteinreich sind.
Was mir immer wieder auffällt: Wir werden mit Informationen zugeschmissen. Protein hier, Protein da, diesen Riegel kaufen, diesen Shake trinken. Gemessen daran — wie zur Hölle habe ich die vergangenen 49 Jahre eigentlich überlebt?
Manchmal hat man das Gefühl, man müsste sofort sein komplettes Leben umkrempeln. Muss man nicht. Bei mir ist vieles ganz automatisch passiert: Weil ich mich damit beschäftigt habe, welche Lebensmittel zu meiner Abnehmreise passen, bin ich fast aus Versehen bei sehr proteinreichen Lebensmitteln gelandet. Ohne komplizierte Regeln und ohne einen halben Drogeriemarkt leerzukaufen.
In der Anfangszeit habe ich Eiweißpulver genutzt, weil ich es mit meinen Mahlzeiten nicht auf die empfohlenen hohen Werte geschafft habe. Andere Nahrungsergänzungsmittel habe ich nicht genommen.

07
Der Spiegel, die Fotos und mein Blick auf mich
Immer wenn ich in meine Küche laufe, komme ich unweigerlich am Spiegel vorbei und erkenne mich oft selbst nicht wieder. Ich wünschte, diese Themen der Äußerlichkeiten hätten weniger Gewicht. Zur Wahrheit gehört aber auch: Ich fühle mich wohler mit mir selbst.
Eine Freundin hat im November in London ein Foto von mir gemacht, das ich später in einer Story gezeigt habe. Ich beiße darauf in einen Bagel, werde von der Seite fotografiert, die Haltung ist alles andere als vorteilhaft. Und trotzdem hat es die Realität zu diesem Zeitpunkt gezeigt.
In meinen Kursen ist immer wieder Thema, wie wir uns im Spiegel wahrnehmen und wie wir uns auf Fotos wahrnehmen. Dazwischen liegt eine große Diskrepanz. Als ich diese Fotos von mir gesehen habe, habe ich mich furchtbar gefühlt, weil ich mich im Spiegel so nie wahrgenommen hatte. Jetzt, wo das Gewicht gerutscht ist, kann ich sagen: Die Fotos entsprachen der Realität. Ich habe es nur nicht gesehen — oder vielleicht auch nicht sehen wollen.
Ich bin außerdem über ein Foto von mir gestolpert, das fast sechs Jahre alt ist, von der Abschlussfeier der 10. Klasse meines Sohnes. Ich kann gar nicht richtig beschreiben, was das in mir auslöst. Von der Körperlichkeit einmal ganz abgesehen steht da eine unsichere Version von mir. Das heißt nicht, dass ich heute nicht auch unsicher wäre. Aber ich bin ein kleines bisschen mutiger geworden und versuche, mich selbst mehr anzunehmen.
Wichtig ist mir dabei: Unabhängig davon, ob jemand mehr oder weniger wiegt — das Gefühl, das mit dem eigenen Körpergefühl einhergeht, kann man niemandem absprechen.
Immer wenn ich in meine Küche laufe, komme ich unweigerlich am Spiegel vorbei und erkenne mich oft selbst nicht wieder.

08
Kleidergrößen, Zahlen und ein BMI, der wenig erklärt
Bei dem, was ich erzähle, geht es nie darum, in irgendeinen Skinny-Bereich zu kommen. Es geht schlicht ums Wohlfühlen. Um Gesundheit, darum, wieder auf sich selbst zu achten und sich selbst zu priorisieren.
Effektiv ist es so: Ich bin 1,72 Meter groß, wiege Stand heute 72 Kilogramm, komme von 95 Kilogramm und liege damit bei einem BMI von 24,6. Ich weiß, dass der BMI eigentlich nicht mehr die Bedeutung haben sollte, die er hat. De facto kratze ich damit, so wie ich jetzt unterwegs bin, schon nah am leichten Übergewicht.
Am Anfang trug ich eine alte Hose in Größe 44 und ein altes Oberteil in XL. Auch das war eine Zahl, die etwas beschreibt — und trotzdem nicht erklärt, wie ich mich gefühlt habe.
Diese Zahlen sind bekloppt.

09
Abnehmen als Frau kurz vor 50
Ich werde im nächsten Jahr 50 und beschäftige mich gedanklich intensiv damit, eine Rolle rückwärts zu machen: in meine Kindheit einzutauchen, in die Muster meiner Erziehung, die DDR-Vergangenheit, die schwierige Bindung zu meinen Eltern. Also auf die Anfänge zu schauen, die ganz unbewusst einen Weg geebnet haben.
Ich weiß nicht, ob ich damit allein bin, aber mir wird zeit meines Lebens gespiegelt, dass ich nicht richtig bin, nicht passe, unnahbar wirke und ernst bin. Dieses berühmte „lächel doch mal“ oder „pass dich der Gruppe einfach an“. Wenn man das lange genug hört, glaubt man es irgendwann selbst und zieht eine Mauer hoch, hinter deren Kulissen nur sehr wenige Menschen schauen dürfen.
Vielleicht sehe ich auch immer noch das Bild meiner Oma mit Kittelschürze vor mir. Nicht viel älter, als ich es heute bin. Frauen mit Lebenserfahrung, die lange um Sichtbarkeit gekämpft haben und das immer noch mit voller Kraft tun müssen. Sich auch in den Fünfzigern attraktiv finden zu dürfen und diesen Bonus nicht nur den Männern zuzugestehen.
Nach vielen Jahren in Rollen — als Tochter, als Ehefrau, als Mutter — bin ich gerade als Solokünstlerin unterwegs.
Ich will alles, aber definitiv keine Rolle mehr spielen.

10
Mein Weg ohne Mounjaro
Ich musste die Dosis nie erhöhen, konnte schon relativ schnell größere Abstände zwischen den Injektionen lassen, und irgendwann wollte ich wissen, wie gut es inzwischen ohne dieses Backup funktioniert.
Sechs Monate nach dem Start hatte ich 21 Kilogramm verloren. Mounjaro nehme ich seit Anfang Februar 2026 nicht mehr und habe seitdem weitere 10 Kilogramm verloren.
Es funktioniert erstaunlich gut. Seit Monaten. Das Gewicht rutscht langsam, aber stetig weiter, und ich kann mich immer mehr auf einen gesunden Erhalt konzentrieren.
Würde ich deshalb sagen, dass ich Mounjaro nie wieder nehmen werde? Nein. Wenn ich merke, dass ich dieses Backup wieder brauche, würde ich es nutzen. Nicht, weil ich ohne „gescheitert“ wäre.
Wird das für immer so sein? Ich habe doch keine Ahnung.

11
Der Gegenwind
Als ich angefangen habe, darüber zu sprechen, kam ziemlich viel und für mich völlig unerwarteter Gegenwind. Vielleicht war ich naiv, aber ich bin davon ausgegangen, dass wir erwachsene Menschen sind, die unterschiedliche Entscheidungen für sich und ihren Körper treffen können, ohne dass daraus sofort eine Grundsatzdiskussion wird.
Für einen kurzen Moment habe ich deshalb tatsächlich überlegt, gar nicht mehr darüber zu sprechen. Aber vielleicht macht meine Erfahrung ja einer anderen Frau Mut oder sorgt zumindest dafür, dass wir ein bisschen weniger urteilen und ein bisschen mehr verstehen.
Ich werde hier niemanden belehren, ich habe keine ultimativen Tipps, und das hier soll auch kein Aufklärungsaccount zu Abnehmspritzen werden. Das ist schlicht mein Alltag und meine persönliche Lebensrealität.
Es sollte nie darum gehen, irgendjemandem etwas zu beweisen.
12
Was ich heute anders sehe
Bin ich ein Vorbild? Nicht wirklich. Ich bin schon immer der Typ ganz oder gar nicht. Wenn ich etwas will, bin ich sehr diszipliniert. Man kann es aber auch ruhiger angehen lassen.
Was sich verändert hat, ist weniger die Disziplin als das Verständnis. Ich habe aufgehört zu glauben, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich habe angefangen zu verstehen, was ich esse. Und ich habe gemerkt, dass Ruhe im Kopf mehr bewirkt hat als jeder Vorsatz davor.
Ich bin heute ein kleines bisschen mutiger, und trotzdem bin ich weiterhin unsicher. Beides gleichzeitig. Ein leichterer Körper hat nicht automatisch alles gelöst, was innerlich offen war — daran arbeite ich weiter, meistens ohne Öffentlichkeit.
Die fachliche Einordnung dazu
Alles, was hier persönlich steht, hat eine sachliche Entsprechung in den Wissenskapiteln.
- GLP-1 verstehen →Die fachliche Ebene zu allem, was hier persönlich erzählt wird.
- Medikamente & Dosierungen →Start-, Steigerungs- und Erhaltungsdosen nach EU-Fachinformation.
- Was ist realistisch? →Verlauf, Plateaus und Durchschnittswerte aus den Studien.
- Wie geht es langfristig weiter? →Gewicht halten, Absetzen und die Zeit nach dem Medikament.
Das Praktische im Alltag
Essen, Nebenwirkungen und Bewegung — sortiert für den echten Alltag.
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Über diesen Beitrag
Verfasst von Andrea
Persönliche Erfahrung und redaktionelle Aufbereitung für People Lab. Fachliche Angaben beruhen auf den unten genannten öffentlich zugänglichen Quellen.
Zuletzt inhaltlich geprüft: 10.09.2026
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Wie wir arbeiten

